Jupiter und die Anderen

Premiere: 15. November 2007

JUPITER UND DIE ANDEREN
Römische Mythologie und Mimischer Tanz
Auf dem antiken Dionysos-Mosaik
Römisch-Germanisches-Museum,
Roncalli-Platz 4
50667 Köln


Weitere Aufführungen:
16. und 17 November 2007
 
JUPITER UND DIE ANDEREN
Mimischer Tanz und Pantomime bei den alten Römern
Milan Sladek zur Idee dieser Inszenierung:
"Als ich vor etlichen Jahren durch die große Glaswand des Römisch-Germanischen Museums zum ersten Mal auf das wunderbare Dionysos-Mosaik schaute, erschien in meiner Fantasie plötzlich eine Person. Angetan mit einem römischen Gewand, verkörperte sie mit graziösen Bewegungen Motive aus der römischen Mythologie. Ich war fasziniert - ein römischer Pantomime!
 
Ja, warum denn nicht auch hier, in Colonia Claudia Ara Agrippinensium, in Köln! Und das gerade auf diesem Mosaik, das etwa 200 Jahre nach Christi Geburt hergestellt wurde und den Speisesaal eines römischen Hauses schmückte. Wie es Brauch war im antiken Rom lud der Hausherr zur Unterhaltung seiner Gäste bei Tisch auch Pantomimen ein. Warum sollte sich so eine Situation nicht auch hier auf diesem römischen Boden abspielen?
Der Pantomime galt als König in der Publikumsgunst. Die Pantomime (pantomimus), ein Ausdruckstanz, war im alten Rom populärer als alle anderen Formen der darstellenden Kunst. Mit diesem Bühnenspiel verbinden sich mit den Namen der beiden großen Pantomimen Pylades und Bathyllus. Die Pantomimen waren Solotänzer, die in verschiedenen Rollen zu einem meist poetischen mythologischen Text agierten. Sie wurden regelmäßig von einem Chor gesungen, der von einem kleinen Orchester begleitet wurde. Die Texte, meist griechisch, wie ja auch die berühmten Pantomimen selber regelmäßig aus dem Osten des Reiches stammten, waren nur anfangs gelegentlich auch lustig, später hatten sie stets einen ernsten, ja tragischen Inhalt. Sie konnten schon existierender Poesie entnommen oder aber auch als selbständiges Libretto einem bestimmten Tänzer gewissermaßen auf den Leib geschrieben werden.
 
Die Pantomimmen hatten – nur von wechselnden Masken und Kostümen unterstützt – eine Mehrzahl verschiedenster Personen in Interaktion zu tanzen. Ihre Kunst füllte nicht nur Säle, sondern auch die riesigen Amphitheater des römischen Weltreichs und entzückte jegliches Publikum.
 
Denn es war ja eine Kunst die überall – ohne Worte – verstanden werden konnte. Diese Kunst, bei der es auf die Ausdruckskraft von Armen, Händen und Mimik ankam, musste alles besitzen, was wir uns an Tanzkunst vorstellen können: Der Pantomime sollte gebildet sein, sich in der Geschichte, Philosophie, Literatur, Musik, Bildenden Kunst, Geometrie und Architektur auskennen, eine artistische Perfektion des Körpers besitzen und dazu sollte er eine Schönheit sein. Die ausgelöste Begeisterung, vor allem bei den weiblichen Zuschauern aller Generationen, scheint denn auch nicht geringer gewesen zu sein als das, was wir seit den Sechziger Jahren aus dem Starkult der Beatles und Rolling Stones kennen. 
 
Die Pantomimen beherrschten perfekt eine Ausdrucksweise, die schon in der Anfängen der menschlichen Zivilisation Gültigkeit hatte, die in allen Epochen, allen Kulturen und bei allen Völker existierte und bis heute aktuell ist: Das mimische und gestische Spiel, das präzise ewig gültige Emotionalität und innere Inhalte des menschlichen Wesens spiegelt.
 
Die große Aufmerksamkeit, der sich die Mimen und Miminnen erfreut haben, kann man sehr gut am Beispiel der Karriere einer weltbekannten Frau dokumentieren. Angeblich hatte sie zwar kein großes schauspielerisches Talent, war dafür aber mit einer außergewöhnlichen Schönheit ausgestattet. Deswegen hat sie mit Auftritten, die wir heute hauptsächlich beim Striptease und in Live Sex-Shows finden können, große Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Laut Zeugen waren ihre Darbietungen extrem unanständig und vulgär. Aber der Erfolg spricht für sie. Er war so riesig, dass sie sogar byzantinische Kaiserin geworden ist und sie fand auch – wahrscheinlich aber erst nachdem sie ihren Lebenswandel bereut hatte - Aufnahme im Heiligenregister. Es handelt sich um Theodora, die Ehefrau des Kaisers Justinian. 
 
Allgemeine Verständlichkeit der Darstellung war ein entscheidender Faktor für die Wirkung der Mimen. Diese Eigenschaft war umso wichtiger, weil die römische Bevölkerung aus einer Vielzahl von Völkern zusammengesetzt war, die - im damaligen Zentrum der Welt - in unterschiedlichsten en Sprachen kommunizierten. Und auch schon damals, genauso wie heute, spielte der Tourismus eine große Rolle. Für die Unterhaltungsbranche im Römischen Weltreich war eine universelle, für alle Nationen verständliche Sprache, also die nonverbale Sprache, unbedingt wichtig und notwendig. Man kann sicher eine Parallele zu heutigen Zeiten feststellen.
 
In den siebziger Jahren – genauer gesagt 1974 – gründete ich mein THEATER KEFKA in Köln und genau in diesem Jahr wurde auch der heutige Bau des Römisch-Germanischen Museums eröffnet.
 
Schon damals hatte ich den Wunsch, gerade hier, auf dem Dionysos-Mosaik, auf dieser magischen Stelle, zu stehen und selber eine Geschichte ohne Worte erzählen zu dürfen. In 1976 hatte sich das Römisch-Germanische Museum als die Hauptspielstätte für das Pantomimenfestival GAUKLER bereitgestellt und jetzt – rund 30 Jahre später - wird auch mein Traum, meine Vision, wahr. Mit einer Auswahl aus dem Schatz der römischen Mythologie werde ich einige Geschichten pantomimisch interpretieren.
 
Wenn man dieses wunderbare Museum besichtigt, findet man eine überaus eindrucksvolle Menge von wunderbaren Gegenständen ausgestellt. Es sind leider, aber auch verständlicherweise, keine Körperbewegungen, keine Gesten oder wechselnde Gesichtsausdrücke in den Vitrinen zu finden. Vielleicht werden meine Vorstellungen auf dem Dionysos-Mosaik als eine kleine archäologische Tat betrachtet: Altrömische Pantomime in Köln zu entdecken, die man sicher auch hier praktiziert hat. Und vielleicht wird man überrascht feststellen, dass der damalige Körperausdruck schon kölsche Akzente gehabt hat."
Milan Sladek

 
Karten zu 24 und 20 Euro / erm. 16 Euro bei KölnTicket
Tickethotline: 0221/2801
Internet: www.koelntickert.de
und an allen bekannten Vorverkaufsstellen

zurück